11
Dez
2006

für gute freunde und familie

gestern bin ich zuhause geblieben und hab henning mankell gelesen und dann noch "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" angefangen. ich hab das früher schon mal angefangen, aber es hat mir nicht gefallen und ich hab nach ein paar kapiteln aufgehört. jetzt versteh ich nicht mehr wieso - vielleicht weil mir vorkommt, dass der autor zuviel erklärt und den leser für relativ dumm hält. im mankell buch war der epilog untertitel "inverness" - da ist mir eingefallen, dass andrew (mit dem ich in prag war) aus inverness ist. und dann kam noch ein clan-name vor: macleod und ich dachte, es könnte sein, dass das der nachname von andrew war (ich hab seine email-adresse verloren) und mir ist sein spruch wieder eingefallen: "Magic - sometimes it works, sometimes not" also hab ich mich an den computer gesetzt (um ca.2.30) und einfach mal eine email an ihn geschrieben (ich habs mit hotmail, yahoo und gmx versucht - zwei fehlermeldungen aber die hotmail adresse gibt es zumindest - was natürlich nicht heißt, dass es wirklich er ist - mal schauen) als ich dann kunderan angefangen hab, ist mir erst aufgefallen, dass dieses buch ja auch hauptsächlich in prag spielt - viele zufälle oder zeichen?
heut war ich auch lange daheim und bin irgendwann ins tildos übersiedelt um weiterzulesen. ich hab mich wohlgefühlt mit mir. davor hab ich noch die emails gelesen die ich nach andreas tod an bronnie geschrieben hab (und auch kurz davor das weihnachtsmail). es war komisch mich wieder damit zu konfrontieren, aber es war auch gut so. im tildos hab ich an die 150 seiten gelesen und mit danijel ausgemacht uns um 10 im patricks zu treffen und dann kommt auf einmal simon und erklärt mir, dass er heute ein bisschen traurig ist (wörtlich), weil heute vier kollegen von ihm bei einem autounfall gestorben sind. ich konnte nichts sagen und er ist auch sehr schnell wieder gegangen. ich fühlte mich überfordert, vor allem weil ich mir kurz davor schon überlegt hatte, dass es irgendwie komisch ist, dass alle leute hier so normal sind obwohl alle einen krieg miterlebt haben, niemand spricht darüber und wenn dann nur mit daten und wie ein objektiver geschichtsschreiber. simon ist bis jetzt der einzige der (wenigstens mit mir) darüber aus persönlicher sicht erzählt hat. mich hat die fröhlichkeit auf einmal irritiert. und als simon dann das von dem unfall erzählt hat und gleich darauf wieder an dem tisch mit den lachenden leuten gesessen hat war meine hilflosigkeit, verwirrung und erinnerte trauer perfekt. ich hab mich auf danijel gefreut, weil ich hoffte, er könne meine freunde von daheim ersetzen - konnte er aber nicht. es war eine komische ablenkung von meinen gedanken und ich wollte vor simons dienstschluss wieder im tildos sein, falls er mit irgendwem reden wollte. danijel hat das akzeptiert, aber ich hatte nicht das gefühl, dass er mich versteht. ich hab mir gedacht, dass es wieder ein eigenartiger zufall ist, dass ich mich gerade heute schon davor so eindringlich mit dem tod beschäftigt habe (ich habe auch gesehen, dass jemand gegen meinen andi-baum pisst und hab mich innerlich fürchterlich aufgeregt darüber, bis ich mir gedacht habe, dass es einem baum ja nicht schadet und dass er dadurch vielleicht sogar besser wächst) simon hat mir erklärt, dass es immer so ist bei ihm, dass er nicht sofort trauern kann, weil er es noch nicht realisiert - ich bin trotzdem noch im tildos geblieben bis er zugesperrt hat - ich wollte ihm zeigen, dass jemand da ist der auch einfach nur dasein kann ohne zu reden oder zuhören zu wollen. ich weiß nicht, ob er es so verstanden hat, aber ich hoffe es. als ich am mittwoch mit judy bei ihm war, haben wir noch darüber geredet, wie schlimm es sein muss, bei einem begräbnis von mehreren leuten dabei zu sein. er meinte, das könne er nicht aushalten - ich hoffe, dass er es aushält.
manchmal wünschte ich, man könnte seine gedanken jemandem anderen einfach zugänglich machen mit all den sprüngen und unerklärbaren assoziationen - ohne etwas sagen zu müssen. ohne diese möglichkeit fühle ich mich oft unfähig mich auszudrücken. meine guten gedanken bleiben ungesagt und ungeschrieben, weil sie in der fixierung an wert verlieren und stereotyp werden oder kitsch oder sonst was
es war ein intensiver abend und ich hab keine ahnung ob oder wenn ja wie ich diesen text veröffentlichen soll, weil ich nicht weiß wer aller mein weblog liest - wir werden sehen. jetzt leg ich mich auf jeden fall nieder und werde die unerträgliche leichtigkeit beenden und hoffen, dass die schwere auch nicht unerträglich sein wird.
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